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Pressemitteilung: Die Bewerbung endet, der Auftrag bleibt: Inklusion und Teilhabe in Berlin weiter voranbringen

Berlin, 24. September 2026 – Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin e. V. (BSB) bedauert den Rückzug Berlins aus der Bewerbung um Paralympische und Olympische Spiele. Mit der Bewerbung hatte der Verband die Erwartung verbunden, notwendige Veränderungen schneller und verbindlicher voranzubringen: gleichberechtigte Bedingungen im Para Sport, mehr inklusive Sportangebote und eine Stadt, in der Menschen mit Behinderungen selbstverständlich teilhaben und mitgestalten. Diese Verbindung zwischen Sport und Stadtentwicklung hatte der BSB bereits in seinem Positionspapier zur Bewerbung herausgestellt.

Dirk Liebe, Vizepräsident Finanzen des BSB wird direkt: „Die Initiator:innen von „NOlympia“ und deren Unterstütz:erinnen haben nicht verstanden, dass die Austragung von Palympischen Spielen in Berlin, finanziert zum erheblichen Teil aus Drittmitteln, zu einer zeitnahen und deutlichen Verbesserung der Stadtinfrastruktur - von Bordsteinabsenkungen bis Nahverkehr - beigetragen hätte.“ Dabei ging es um weit mehr als barrierefreie Wettkampfstätten und Wege. Paralympische Spiele können Menschen mit Behinderungen eine öffentliche Präsenz verschaffen, die über sportliche Erfolge hinausreicht. Sie können Wahrnehmungen verändern, Identifikation ermöglichen und das Selbstbewusstsein stärken.

Dieses gesellschaftliche Potenzial gehört für den BSB ins Zentrum der Debatte – nicht an ihren Rand. „Eine soziale Stadt muss auch eine inklusive Stadt sein. Menschen mit Behinderungen gehören auf die Sportplätze, in die Vereine und in die Entscheidungen über die Zukunft Berlins. Nicht als Gäste, sondern als selbstverständlicher Teil dieser Stadt. Es geht um zugängliche Sportstätten und öffentliche Räume, aber ebenso darum, wer sichtbar ist, wer mitgestaltet und wessen Leistungen wahrgenommen werden. Genau diese Verbindung hätten wir mit den Paralympischen Spielen stärken wollen“, erklärt Özcan Mutlu, Präsident des BSB. Im Para Sport steht neben dieser gesellschaftlichen Sichtbarkeit die strukturelle Gleichberechtigung.

Trotz Fortschritten in der Athlet:innenförderung besteht weiterhin Entwicklungsbedarf, um die besonderen Anforderungen des paralympischen Sports angemessen abzubilden. Das haben auch der Deutsche Behindertensportverband und die Sporthilfe in ihrer jüngsten Vereinbarung zur Weiterentwicklung der Förderung festgehalten. „Medaillen sind sichtbar. Die Voraussetzungen dafür häufig nicht. Gleichberechtigung im Spitzensport muss deshalb entlang des gesamten sportlichen Entwicklungswegs betrachtet werden: von der Talentsichtung über qualifiziertes Training bis zur individuellen Förderung und beruflichen Absicherung.

Hinzu kommen behinderungsbedingte Mehrbedarfe, etwa für Assistenz, Mobilität oder spezielle Sportgeräte. Wer diese Voraussetzungen nicht berücksichtigt, schafft mit formal gleichen Förderregeln noch keine gleichberechtigten Bedingungen. Entscheidend ist, ob Athletinnen und Athleten ihr Potenzial tatsächlich entwickeln können“, erläutert die Vizepräsidentin Rehabilitationssport, Nicola Böcker-Giannini. Für den BSB gehören Breiten- und Spitzensport dabei zusammen, ohne dass Teilhabe an Leistung gemessen werden darf. Ein Kind, das erstmals ein Sportangebot nutzt, braucht andere Unterstützung als eine Athletin auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen. Beide brauchen Strukturen, auf die sie sich verlassen können. barrierefreien Mit dem Ende der Bewerbung verschwindet der Handlungsbedarf nicht. Im Gegenteil: Bei Sportstätten, inklusiven Angeboten, gleichberechtigten Förderstrukturen und verlässlichen Bedingungen im Para Sport besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf. Diese Aufgaben bleiben, auch ohne Paralympische Spiele in Berlin. Der BSB fordert eine feste Verankerung der Thematik in der Politik der zukünftigen Landesregierung.

Der BSB wird sie weiter benennen und mit seiner fachlichen Expertise, der Erfahrung seiner Mitgliedsvereine und der Perspektive von Menschen mit Behinderungen in die weitere Entwicklung einbringen. Politik, Verwaltung und organisierter Sport sind eingeladen, gemeinsam mit dem Verband konkrete und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Der BSB dankt dem Landessportbund Berlin, der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, der Senatskanzlei Berlin sowie allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit im Rahmen des Bewerbungsprozesses Berlin+.

Das Präsidium des Behinderten- und Rehabilitations- Sportverband Berlin e.V.